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Betreuungsgrundsätze und Grundlagen unserer Arbeit

Wenn man mit sehr verschiedenen Menschen arbeiten und deren Bedürfnissen und Persönlichkeiten angemessen begegnen möchte, so benötigt mein eine Art Arbeitsfundament, auf dem die Arbeit basieren kann.

Wir orientieren uns an Denkansätzen und Grundhaltungen der sozialpsychiatrischen Strömungen der schweizerischen Psychiatrie, die unseres Erachtens bis heute als wissenschaftlich führend einzuschätzen ist. Insbesondere Ärzte wie Luc Ciompi aber auch Pflegende wie Chris Abderhalden haben Maßstäbe gesetzt und Anbietern unserer Zeit einige wesentliche Impulse für die ressourcenorientierte und Autonomie fördernde Arbeit mit psychisch Kranken gegeben.
Gedanken der Arbeit auf Augenhöhe wurden von Ciompi bereits in den neunziger Jahren als elementar gesehen und sind heute aktueller denn je.

Ähnlich wie die Schweizer Vorreiter sind auch wir überzeugt davon, dass die wichtigste Aktivität die Gestaltung der tagtäglichen vertrauensvollen Beziehung ist. Kooperation und Wertschätzung aller Beteiligten sind unabdingbar für gelingende Beziehungsprozesse und Problemlösungen (vgl. Kistner, Ciompi, Abderhalden et al). Deshalb ist konsequente und empathische Bezugsarbeit elementarer Bestandteil unserer Arbeit.


Wir leisten nichts über unsere Kunden hinweg, aber eine ganze Menge mit ihnen gemeinsam.
Jeder Kunde erhält mindestens zwei feste Bezugspersonen, die er maßgeblich mitbestimmen kann. Wir stellen sicher, dass eine der Bezugspersonen sehr berufserfahren und entsprechend ausgebildet oder weitergebildet ist. Voraussetzung für die Übernahme einer so genannten „Fallverantwortung“ sind neben der abgeschlossenen entsprechenden Ausbildung mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der psychiatrischen Arbeit.

Die fallverantwortlichen Mitarbeiter werden in jedem Fall noch von einer weiteren Fachkraft in der Bezugsarbeit unterstützt.

Die Bezugspersonen erstellen gemeinsam mit den Kunden die individuellen Hilfepläne und evaluieren diese mindestens einmal pro Quartal umfassend. Erforderlichenfalls werden nach der Evaluierung die zuvor geplanten Maßnahmen zur Erreichung der gewünschten Ziele nachgebessert oder verändert. So soll sichergestellt werden,  dass im Sinne der Kunden effizient und nachhaltig an den gewählten Zielen gearbeitet wird. 

Grundlagen unserer Arbeit sind Transparenz, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit unseren Kunden gegenüber. Wir helfen mit der psychischen Erkrankung umzugehen, indem wir verschiedene psychoedukative Angebote machen. Wenn man viel von seiner Erkrankung weiß und versteht und entsprechende Alltagsstrategien erarbeitet, verliert die psychische Erkrankung an Macht und Schrecken und die Autonomie steigt.

Auch bei beschützter Unterbringung hat die Eigenverantwortung für uns hohe Bedeutung, wir trainieren Eigenverantwortung und Verlässlichkeit vom ersten Tag an, zum Beispiel im Rahmen von sukzessive erweiterten Ausgängen und Belastungstrainings. Der von Ciompi postulierte Satz „Freiheit heilt“ mag etwas plakativ erscheinen, trifft aber im Rahmen des Trainings der Eigenverantwortung und der Verlässlichkeit oft genau den Kern. Menschen, die sich durch Institutionen bevormundet fühlen, entwickeln sich selten, sondern gehen eher in Opposition oder sie werden gebrochen, was – außerhalb eines forensischen Settings – nie ein gutes Ziel sein kann. Deshalb ist das stetig neue und geduldige Verhandeln des kleinsten gemeinsamen Nenners eine häufige Aufgabe mit Kunden, die beschützt untergebracht sein müssen.

Gerade die Kunden, die im beschützten Bereich leben, sind sowohl zu Beginn als auch in späteren Phasen unzufrieden mit ihrer Situation, es verlangt Geduld, Empathie, Psychoedukation, Motivation und nachhaltiger, verlässlicher Beziehungsarbeit, um diese Phasen gemeinsam zu überwinden und damit positive Entwicklungen möglich zu machen.

Ein wesentlicher Faktor unserer Arbeit ist die Zeit. Zeit zu haben und sich Zeit zu nehmen ist kein Zeitproblem, sondern nur eine Frage der Einstellung. Wir nehmen uns Zeit und unsere Kunden brauchen Zeit. Viele unserer Kunden, zumal wenn sie beschützt untergebracht sind, haben das Gefühl als hoffnungslose chronifizierte Fälle stigmatisiert zu sein und nehmen dieses Stigma leider oft auch an. Sie vertrauen nicht in sich und können sich oft überhaupt keine Vorstellung davon machen, dass es eine bessere Zukunft für sie geben kann, geschweige denn, wie diese konkret und realistisch aussehen könnte.

Anderen macht der Gedanke an eine positive, normale Zukunft sogar große Angst. Es fehlt an Hoffnung und Optimismus, jeder Rückschlag wird als endgültig erlebt. Dementsprechend können sie sich auf nichts oder kaum etwas einlassen. Das bedeutet, wir brauchen miteinander Zeit, wir müssen gemeinsam Alltagskompetenzen erarbeiten und unseren Kunden Mut und Vertrauen beibringen. Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich für die allermeisten unserer Kunden die Chance bietet, ihre Lebensqualität erheblich zu verbessern und die Teilhabe am „normalen“ Leben zu erhöhen.


Unsere Kunden sind sehr verschieden und haben sehr verschiedene Ressourcen und Probleme. Deswegen ist auch unser Team sehr verschieden. Wir arbeiten multiprofessionell, erleben jede beteiligte Berufsgruppe mit ihrem Blickwinkel als hilfreich und notwendig.
Uns ist es wichtig, nicht nur die Psyche des einzelnen Kunden zu sehen, sondern auch auf den Körper zu achten. Das bezieht sich auf die medizinische Versorgung ebenso wie auf viele Bewegungsangebote und die bei uns mögliche professionelle persönliche Ernährungsberatung.

Wir respektieren und beachten individuelle Besonderheiten, auch hinsichtlich der Religion, der Biographie, der Ernährungsgewohnheiten. Wir erfragen eventuelle kulturelle Besonderheiten und versuchen jedem entsprechend gerecht zu werden.